Was ist Uranmunition?
Von allen natürlich vorkommenden Metallen ist Uran dasjenige mit der höchsten Dichte (19 g cm-3).
Deshalb wird es als panzerbrechendes Material in Geschossen eingesetzt.
Natürliches Uran enthält ca. 0,7 % des radioaktiven 235U.
In Atombomben ist 235U auf bis zu 90 % und im Kernbrennstoff für Kernkraftwerke auf ca. 3 % angereichert.
Bei der Herstellung von Kernbrennstoff und beim Betrieb von Kernkraftwerken entsteht als Neben- bzw. Abfallprodukt auf ca. 0,2 % 235U abgereichtertes Uran ("DU", Depleted Uranium).
Die abgebrannten Brennelemente enthalten zudem Spuren von 236U und Plutonium.
Aus diesen abgereicherten Materialien wird die Uranmunition hergestellt.
Was passiert bei der Verwendung von Uranmunition?
Beim Aufprall der Urangeschosse wird das Metall pulversisiert und verbrennt,
wobei Urandioxid und z.T. Spuren von Plutoniumoxid in Form von Aerosolen entstehen (Partikel,
die hundertmal kleiner als ein Sandkorn sind).
Diese Partikel können direkt eingeatmet oder durch Wunden in den Körper gelangen und dort ihre schädigende Wirkung entfalten.
Sie lagern sich schließlich auch auf dem Boden ab und gelangen so in den Nahrungskreislauf.
Wie wirken Uran und Plutonium?
Uran und Plutonium sind Schwermetalle und als solche giftig.
Plutonium gilt als der toxischste Stoff überhaupt.
Als Oxide setzen sie sich z.B. in der Lunge fest und wirken dort hochgradig kanzerogen.
Beide Metalle sind radioaktiv.
Hauptsächlich entsteht Alpha-Strahlung, die ihre hohe Energie vollständig auf kurze Distanz abgibt und daher praktisch zwar nicht von außerhalb, dafür aber umso schädlicher innerhalb des Körpers wirkt.
Weiterhin werden beim Zerfall Gammastrahlen freigesetzt.
Die physikalischen Halbwertszeiten sind sehr hoch (238U: 4,5*109 a, 239Pu: 24.400 a). Die biologischen Halbwertszeiten liegen bei 200 a.
Gegen die schädlichen Wirkungen können sich die Soldaten schützen, die die Munition benutzen.
Die Menschen, auf die die Aerosole einatmen und auf und von dem verseuchten Boden leben, können dies in der Regel nicht.
Die Gegend um die Schnellstraße von Basra nach Bagdad, auf der im Golkrieg Hunderte von irakischen Panzern mit Uranmunition
abgeschossen wurden, ist nach Untersuchungen der US Army stark kontaminiert (Dr. Doug Rokke, Professor für
Umweltwissenschaften an der Jacksonville State University in Alabama).
Die Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW)
führen aufgrund von Forschungen im Nachkriegs-Irak rasant angestiegene Knochen- und Nierenerkrankungen, Leukämie und
Missbildungen bei Neugeborenen auf den Einsatz von Uranmunition zurück:
http://www.ippnw.de/frieden/du/
Ende 2000 suchte eine Expertenkommission der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) im Kosovo nach Spuren und Folgen
der dort von der Nato eingesetzten Uranmunition. An 11 Standorten im Südwesten von Kosovo, wo nach Nato-Angaben DU-Munition verwendet worden war, entnahmen sie insgesamt 249 Bodenproben, 46 Wasser-, 37 Pflanzen- und 3 Milchproben und legten am 13.3.2001 in Genf einen Bericht vor. Darin wird als Ergebnis der Analysen die Gefahr durch Verseuchung des Bodens als vernachlässigbar gering eingestuft.
Nach dem im März 2003 veröffentlichten Bericht der Umweltorganisation der Vereinten Nationen (UNEP) wurden in Bosnien noch 8 bis 9 Jahre nach dem Einsatz von Uranwaffen im Boden, in der Luft und im Trinkwasser Partikel abgereicherten Urans gefunden. Klaus Töpfer, Geschäftsführer der UNEP, empfiehlt daher zur Sicherheit eine mehrjährige Beobachtung durch regelmäßige Wasserproben vorzunehmen und in der Zwischenzeit andere Wasserquellen zu verwenden. (Pressemitteilung der UNEP)
Wissenschaftler des Forschungszentrums Rossendorf haben 2006 gemeinsam mit Kollegen von der Universität Reading in Großbritannien simuliert, wie Uranmunition sich auf landwirtschaftlich genutztem Boden verhält. Sie fanden heraus, dass sich metallisches Uran an seiner Oberfläche in ein Uransalz umwandelt, das über Lösungssprozesse in Pflanzen oder in das Grundwasser und damit in die Nahrungskette gelangen kann. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Science of the Total Environment veröffentlicht.
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